problem and solution concept

Kein Lächeln ist wie das andere

Menschen lächeln vor Glück, vor Sorge, anzüglich, ängstlich, verächtlich oder wehleidig. Jedes dieser Gefühle wird spontan begleitet von einem charakteristischen Gesichtsausdruck. Ein lächelndes Gesicht ist aber nicht unbedingt Ausdruck eines dieser Gefühle – bewusstes, absichtliches Lächeln kann Gefühle auch erst produzieren. Paul Ekman und Richard Davidson, US-amerikanische Wissenschaftler, haben die Verbindung zwischen Gesichtsausdruck und Hirnaktivität untersucht. Ihr Ergebnis: Das sogenannte Duchenne-Lächeln erzeugt im Gehirn dieselbe elektrische Spannung, die auch bei spontaner Freude gemessen werden kann. Der französische Neurologe Duchenne e Boulogne hat dieses Lächeln schon im vergangenen Jahrhundert als sichtbares Zeichen von Freunde beschrieben: Die Mundwinkel ziehen sich nach oben; in der Augenpartie werden Lachfältchen sichtbar. Ausgelöst wird das durch zwei voneinander unabhängige Muskelbewegungen. Die erste Komponente alleine – die Bewegung des Muskels zwischen Jochbein und Mundwinkel – gibt noch keinen Hinweis auf das zugehörige Gefühl: Hochgezogene Mundwinkel können ebenso gut ein Lächeln vortäuschen. Die Muskelkontraktionen, die die so genannten „Krähenfüsse“ in die Augenwinkel zaubert, gilt hingeben als Ausdruckt echter Freude. Diese Unterscheidung war der Ausgangspunkt der Untersuchung von Ekman und Davidson. Mittels Aufzeichnungen durch einen Elektro-Encephalo-Graphen (EEG) fanden sie heraus, dass negative Gefühle sich in der rechten vorderen Hirnpartie bemerkbar machen, positive hingeben vor links beheimatet sind. Das Duchenne-Lächeln erzeugt messbare elektrische Spannung in der linken Hirnhälfte – völlig unabhängig davon, ob es sich spontan auf dem Gesicht ausbreitet oder bewusst und absichtlich gelächelt wird. Kognitivsten waren bislang ausgegangen, dass Gefühle eng mit dem vegetativen Nervensystem zusammenhängen, also nicht bewusst gesteuert werden können. Diese Annahme scheint nur revidiert werden zu müssen: Menschen können offenbar Gefühle in sich selbst auslösen, einfach indem sie das Gesicht verziehen. Also: Zögerst du noch oder lächelst du schon? Liebe Grüsse Martin Aue