problem and solution concept
Kreative Ideen können uns als Gesellschaft weiterbringen – nicht nur wirtschaftlich lukrative. In 55 Jahren habe ich viele Ideen gehabt (angefangen bei einem Bremslicht für Velo), eine einzige wurde (für den Arbeitgeber) patentiert. Aber die gutbezahlte Arbeit für eine Idee aufgeben? Eine Arbeit, von der auch Frau und Kinder leben mussten? Das lag nicht drin. Das Grundeinkommen, für das jetzt Unterschriften gesammelt werden, gibt die nötige Freiheit, Ideen zu verwirklichen, ohne Angst um das Lebensnotwendige zu haben, ohne auf Eltern, Götti, Ehepartner angewiesen oder an Kapitalgeber ausgeliefert zu sein. Es nimmt die Angst vor dem Scheitern, bringt uns technisch wie kulturell weiter. Rudolf Schär, Winterthur Dieser Leserbrief im Beobachter hat mich inspiriert. Der Kommentar bezog sich auf (den ebenfall sehr lesenswerten Artikel „Jungunternehmen: Wir würden es jederzeit wieder wagen.“ Die Angst zu scheitern und der Druck, die Lebenskosten bezahlen zu können und / oder eine Familie durchbringen zu müssen, geben dir die genau richtige Energie für einen Start in die Selbstständigkeit. Genau gleich ist es mit dem Druck durch Kapitalgeber. Ich habe es oft erlebt, dass gerade durch zähe Verhandlungen mit Kapitalgebern (egal ob aus der Familie, aus dem Freundeskreis oder Banken) eine Idee erst richtig ausgereift ist. Meine Erfahrung aus vielen Unternehmercoachings zeigt, dass diese Menschen an besten durchstarten, die keine andere Wahl haben. Wer alle Zelte hinter sich abbricht und kein Sicherheitsnetz mehr unter sich hat, muss einfach erfolgreich sein. Jungunternehmer, die zum Beispiel mit einer Teilzeitanstellung noch ein Backup haben, geben erfahrungsgemäss einfach zu wenig Gas. Das im Leserbrief erwähnte Grundeinkommen bringt uns also mit Sicherheit eines nicht – mehr erfolgreiche Startup-Unternehmer. Lass mich die Geschichte noch etwas weiterziehen. Was ist eine gute Idee, welche die Gesellschaft weiterbringt? Wenn die Idee viele Menschen weiterbringt, sind auch viele Menschen bereit, dafür Geld zu bezahlen. Ein Angebot hilft immer nur in diesem Rahmen weiter, wie der Empfänger diese Hilfe wieder ausgleichen kann. Und in der Geschäftwelt geschieht dies mit Geld. Wenn also deine Erfindung beziehungsweise deine Geschäftsidee kein Geld einbringt, kann dies nur daran liegen, dass sie zu wenig weiterhilft. Entweder hilft sie den Menschen, die konsumieren zu wenig weiter oder sie hilft zu wenig Menschen weiter. Oder es liegt daran, dass das Angebot zwar vielen Menschen richtig weiterhelfen würde, aber schlicht zu wenige davon wissen. Damit wir uns richtig verstehen: Existenzängste sind unangenehm. Vor allem wenn wegen ihnen nicht mehr schlafen kannst. Du kannst es aber auch lernen, sie als Wegweiser und als Motivator anzuschauen. Und noch etwas: Nein, dieser Newsletter wird nicht politisch. Es ging mir nur um Statement zum Thema Unternehmer. Und in diesem Bereich gibt es für einmal nur schwarz oder weiss, Unternehmer oder Unterlasser. Oder um es mit den Worten von Albert Schweitzer zu sagen: Ich will unter keinen Umständen ein Allerweltsmensch sein. Ich habe ein Recht darauf aus dem Rahmen zu fallen, wenn ich es kann. Ich wünsche mir Chancen, nicht Sicherheiten. Ich will kein ausgehaltener Bürger sein, gedemütigt und abgestumpft, weil der Staat für mich sorgt. Ich will dem Risiko begegnen, mich nach etwas zu sehnen und es zu verwirklichen, Schiffbruch zu erleiden und Erfolg zu haben. Ich lehne es ab, mir den eigenen Antrieb mit einem Trinkgeld abkaufen zu lassen. Lieber will ich den Schwierigkeiten des Lebens entgegentreten als ein gesichertes Dasein führen, lieber die gespannte Erregung des eigenen Erfolgs als die dumpfe Ruhe Utopiens. Ich will weder meine Freiheit gegen Wohltaten hergeben noch meine Menschenwürde gegen milde Gaben. Ich habe gelernt für mich selbst zu denken und zu handeln, der Welt gerade ins Gesicht zu sehen und zu bekennen, dies ist mein Werk. Unternehmende Grüsse Martin Aue