problem and solution concept
In Malmö gibt es noch ein einziges Werkzeuggeschäft. Umringt von Discount-Baumärkten in der Agglomeration mussten die Betreiber erkennen, dass sie beinahe keine teuren Werkzeuge wie Bohr- oder Schleifgeräte mehr verkaufen konnten und eigentlich vor allem auf den Umsatz mit Nägeln, Farbe oder Klebeband angewiesen waren. Statt zu resignieren und wie viele andere Werkzeuggeschäfte vor den grossen Baumärkten zu kapitulieren, haben sie kurzerhand ihr Geschäftsmodell verändert. Sie haben die teuren Geräte auf einer Internetplattform namens „Tool Pool“ zum Ausleihen angeboten. Und zwar gratis. Da man weiss, dass eine Bohrmaschine während der gesamten Lebensdauer in Durchschnitt nur 13 Minuten in Betrieb ist, war das für die Konsumenten sehr attraktiv. Man musste die Geräte natürlich in der zentral gelegenen Filiale abholen. Was ist passiert? Acht von zehn Kunden, die ein Gerät abholten, deckten sich gleich mit Verbrauchsmaterial ein. Der Umsatz nahm um 25 Prozent zu. Tool Pool ist ein Beispiel für ein Sharing-Konzept – wie beispielsweise auch Mobility. Die Genossenschaft wurde 1997 gegründet und ist damit ein echter Sharing-Pionier im Autobereich. Ein weiteres erfolgreiches Beispiel ist der Fahrdienst UberPop, bei dem gewöhnliche Autofahrer Taxidienste anbieten. Oder auch Airbnb: Der Online-Marktplatz hat weltweit die Wohnungs- und Hausbesitzer direkt mit den Reisenden zusammengebracht. Viele, die gerade selbst in den Ferien sind oder ihr Zuhause aus einem anderen Grund gerade nicht brauchen, vermieten so ihr Haus oder ihre Wohnung direkt. Doch warum sind solche Geschäftsmodelle so erfolgreich? Im Gegensatz zur Nachkriegsgeneration ist die Generation Y – also die 18- bis 35-Jährigen – viel weniger an Besitz und Statussymbolen interessiert. Das Auto wird zunehmend weniger wichtig – nicht aber die Mobilität. Ferien im Luxushotel ist weniger in, als unterwegs interessante Menschen kennenzulernen oder wenigstens in ihren Wohnungen zu übernachten. Was kannst du also als Anbieter tun – insbesondere, wenn dich neue Konzepte konkurrenzieren oder wenn dein Stammangebot je länger je weniger gefragt ist? Es gibt wie immer zwei grundsätzliche Möglichkeiten: Abwehren oder annehmen. Die Abwehrhaltung liegt uns von Natur aus näher. Das neue Angebot ist schuld, der Staat schützt einen zu wenig und sollte solche modernen Angebote eigentlich ganz verbieten. Oder du suchst andere Betroffene, um dich mit ihnen zusammenzuschliessen und gemeinsam gegen das neue Übel vorzugehen. Wie gesagt: Spontan ist die Abwehrhaltung natürlich und das ist auch gut so. Die Frage ist nur, was dann kommt. Trends zu den eigenen Gunsten umzukehren, ist in den meisten Fällen nicht möglich – und wenn dann nur mit einem riesigen (Werbe-)Aufwand. Es bleibt also nur noch annehmen. Denn wenn Kundenbedürfnisse neu einfacher und kostengünstiger befriedigt werden können, kann man das nicht aufhalten. Das haben übrigens auch schon einige andere Unternehmen bemerkt – allerdings noch nicht so viele in der Schweiz: Die weltweiten Investitionen in Startups im Bereich der Sharing Economy belaufen sich mittlerweile auf einem Rekordniveau von über 12 Mrd. USD. Im Vergleich dazu stehen die Startups der Sozialen Netzwerke mit rund der Hälfte dieser Investitionen. Man kann nur die Chance verpassen, sich schnell genug darauf einzustellen. Also wehrst du noch ab oder nimmst du schon an? Herzliche Grüsse Martin Aue