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Produzieren oder verwalten?

27 % der Schweizer Beschäftigten arbeiten beim Staat oder bei einem staatsnahen Betrieb, wie zum Beispiel bei einem öffentlichen Spital, der Post, den SBB, der Swisscom, einer Kantonalbank, Pro Helvetia, Bedag Informatik oder der Messe Basel. Das sind 50 % mehr als vor zwanzig Jahren. Der Anteil der Beschäftigten in der Industrie und im verarbeitenden Gewerbe sank derweil von 21 auf 13 %. Ich finde diese Tendenz grundsätzlich problematisch – aber darauf will ich heute nicht eingehen. Worauf denn sonst?

Erstens: Es ist gesund, am Markt zu sein. (Und der Staat sowie viele staatsnahe Betriebe sind nicht wirklich am Markt.) Warum soll der Markt gesund sein? Weil der Markt immer Antreiber ist! Kunden und Konkurrenten treiben dich als Unternehmen vorwärts. Folgende Bereiche leben am stärksten vom Markt: Innovation wie beispielsweise Produktentwicklung sowie Kundenorientierung wie beispielsweise Kundendienst, Freundlichkeit und Beratung. Interessant ist die Frage nach dem Preis: Der Staat sowie die staatsnahen Betriebe sollten eigentlich günstiger verkaufen können als die Unternehmen am Markt. Warum? Weil die Kosten für Werbung und Verkauf zu grossen Teilen wegfallen. Trotzdem sind die Preise oft ähnlich hoch – teilweise sind die staatsnahen Betriebe im Vergleich sogar teurer. Was könnte der Grund dafür sein? Ich vermute die Ursache in der Produktivität. Denn, wenn du keinen (Preis-)Druck hast, produktiv zu arbeiten, dann tust du es auch nicht.

Zweitens: Geld muss immer zuerst verdient werden, bevor es verwaltet wird. Dieses Thema diskutiere ich gerne mit Menschen, die im Bereich Buchhaltung, Rechnungswesen und Treuhand arbeiten. Diese Leute haben nicht selten das Gefühl, sie seien die wichtigsten im ganzen Unternehmen. Aber: Ohne Kunden – also ohne Werbung, Kundengewinnung und Verkauf – gibt es auch nichts zu buchhalten. Und genauso verhält es sich auch beim Vergleich von Beschäftigten in der Industrie und mit Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe beziehungsweise mit Beschäftigten beim Staat: Wenn niemand mehr produziert und alle nur noch verwalten wollen, kann es sein, dass es plötzlich zu wenig zu verwalten gibt – oder man sich mit dem verwalten von Dingen beschäftigt, die nicht verwaltet werden müssen.

Produzierende und produktive Grüsse
Martin Aue

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